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Industriekultur im Filstal

Der Kaufmann Max Levi als „treibende Kraft“ hinter dem Aufstieg der Marke Salamander

Eine der bemerkenswerten Unternehmergeschichten im Filstal ist diejenige von Max Levi und der Firma Salamander, die innerhalb von einer Generation den Sprung von der Schuhmacherwerkstatt hin zu einem Großunternehmen geschafft hat. Für den Erfolg des Unternehmens war in erster Linie der in Göppingen ansässige jüdische Kaufmann Max Levi verantwortlich, der mit immer neuen Strategien den Verkauf von Schuhen revolutionierte. Den Grundstein erfolgreicher Vertriebsmodelle legte bereits 1885 der Schuhmacher Jacob Sigle mit dem Straßenverkauf seiner so genannten „Läpples-Schuhe“ (maschinell vorgefertigte Hausschuhe aus alten Militärmänteln und Knobelbechern) in umliegenden Ortschaften von Kornwestheim. Als der Lederhändler Max Levi 1891 in das Unternehmen mit einsteigt, greift er Sigles Idee von Verkaufsstellen abseits des Produktionsstandorts auf und entwickelt sie weiter.

Einen bedeutenden Wendepunkt für die Schuhfirma Sigle stellt der Großauftrag des Berliner Schuhhändlers Rudolf Moos dar, für welchen serienmäßig Schuhe zu einem festen Niedrigpreis produziert und verkauft werden sollten. Von nun an wurden die Schuhe der Firma in einem Laden in Berlin erfolgreich zu vorher festgelegten Preisen verkauft. Die Salamander Schuhverkaufsgesellschaft wird 1905 gegründet.

Durch die finanzielle Sicherheit des Auftrags wagt Max Levi schließlich die Gründung weiterer Salamander-Geschäfte, zunächst gemeinsam mit Moos in Berlin und noch im selben Jahr in fünf weiteren deutschen Großstädten. Nach diesem Geschäftsmodell eines eigenen Filialsystems folgte schließlich auch die Expansion ins Ausland.

Eine weitere neue und sehr erfolgreiche Verkaufsidee von Levi bestand in der Vergabe von „Alleinverkaufsrechten“ an selbstständige Schuheinzelhändler in verschiedenen kleineren Städten. Durch das Alleinverkaufsrecht ergaben sich mehrere Vorteile für beide Seiten. Der Schuhhändler hatte die Garantie, dass nur er Schuhe der Marke Salamander im Umkreis anbieten konnte und profitierte darüber hinaus von der einheitlichen Werbestrategie des Unternehmens. Gleichzeitig musste der Verkäufer zusichern, eine Mindestmenge der Schuhe abzunehmen und diese zu den vorgegebenen Preisen zu verkaufen. Auf der Basis dieser beiden Geschäftsmodelle entwickelte sich Salamander zur größten deutschen Schuhfabrik.

Neben seiner Teilhaberschaft an der Marke Salamander betrieb Levi eine eigene Schuhproduktion in Faurndau unter dem Namen „Mara“. Im Jahr 1925 starb Max Levi. Seine Familie wurde in der Arisierungsphase des Dritten Reichs aus der Firma Salamander gedrängt, 1936 übernahmen die Salamanderwerke in Kornwestheim den Faurndauer Betrieb. Durch den nachfolgenden Krieg verlor Salamander viele seiner Werksanlagen und Verkaufsstellen. Nach Kriegsende konnte das Unternehmen jedoch erneut über die von Max Levi entwickelten Verkaufsstrategien expandieren und als größter europäischer Schuhhersteller erfolgreich Schuhe in die gesamte Welt vertreiben.

Quellen:

Ackermann, Sabine (2009): Lurchi kehrt heim nach Faurndau. In: NWZ – Göppinger Kreisnachrichten, Neue Württembergische Zeitung, Südwest Presse, Ulm. http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/Lurchi-kehrt-heim-nach-Faurndau;art5583,271528 [Zugriff: 23.09.2013]

Bräutigam Petra (1997): Mittelständische Unternehmer im Nationalsozialismus, Wirtschaftliche Entwicklungen und soziale Verhaltensweisen in der Schuh- und Lederindustrie Badens und Württembergs, Oldenburgverlag GmbH München.

Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH (2011): Jüdischer Einfallsreichtum, deutsche Zähigkeit, Stuttgart. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.juedischer-einfallsreichtum-deutsche-zaehigkeit.516e7b4c-a9ba-459c-a634-bd87680cd2f3.html